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Implantat - künstliche Zahnwurzel-
es wird der Versuch unternommen, typische und
häufige Behandlungsformen in einer zahnärztlichen Praxis allgemeinverständlich
zu erläutern und Fragen dazu zu beantworten. Bilder die beim Überfahren mit
der Maus -aus dem "Pfeil" eine "Hand" entstehen lässt-; können per Doppelklick
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Suchen Sie bei unklaren und heftigen
Beschwerden unbedingt einen Arzt auf! Es wird ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass diese Webseite, kein Ersatz für einen Arztbesuch ist.
Auf die Ausführungen im
Disclaimer
wird zusätzlich hingewiesen.
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Implantate, auch bekannt unter dem
Namen "künstliche Zahnwurzeln" oder "eingepflanzte Zähne", sind der
Wunsch vieler Patienten, denen einzelne oder alle eigenen Zähne
unfallbedingt, erkrankungs- oder altershalber fehlen. Seit einigen
Jahrzehnten sind Zahn-Implantate in Gebrauch und heutzutage ein
fester Bestandteil der zahnärztlichen Therapie.
|
Häufig wird aber bei dem Wunsch nach Implantaten von Patienten
übersehen, dass diese Fremdkörper nicht für jeden Organismus
geeignet sind und eine außerordentlich gute
Mundhygiene voraussetzen.
Dise Seite soll einen
Überblick über die versch. Implantatarten, ihre Anwendungsgebiete
und deren Vor- und Nachteile
geben.
Implantat
|
Was
ist ein "Implantat"? |
In der Medizin bezeichnet man das operative
Einbringen von lebenden Organteilen in den Körper als
Transplantation,
das von künstlich geschaffenen, die jeweilige Organfunktion
nachahmenden Gebilden, als
Implantation. Das "eingepflanzte" Teil - welches die Funktion
mehr oder weniger gut übernimmt - heißt Implantat (z.B. Hüftgelenk,
Gefäßprothese, Herzklappe).
In der Zahnmedizin versteht man darunter
entweder ein Kieferknochenimplantat, wenn es darum geht, alters-,
erkrankungs- oder unfallbedingt verloren gegangen Kieferknochen
wieder aufzubauen oder das Einpflanzen einer künstlichen Zahnwurzel
auf (selten) bzw. in den Kieferknochen zur Befestigung von Kronen,
Brücken und herausnehmbarem Zahnersatz. |
Wie
ist
der zeitliche
Ablauf - prinzipielle Unterschiede |
Die Versorgung mit
Implantaten gliedert sich in drei große Abschnitte auf:
der Mundhöhle - besonders
Entfernung nicht erhaltungswürdiger Zähne und Schaffung eines
geeigneten Implantatbettes.
Eigentliche
Implantation (Setzen des Implantats in/auf den Kieferknochen).
Dabei kann dieser
sofort
(in die frische Extraktionswunde = Sofortimplantation),
verzögert (nach einer 2-6-wöchigen Ausheilzeit) oder spät
(~ 3-4 Monate nach dem Entfernen eines Zahnes) erfolgen.
Mehrheitlich wird letzteres Vorgehen aus vielfältigen Gründen
praktiziert.
Versorgung und
Belastung des Implantates mit
Zahnersatz (Suprakonstruktion).
Hierbei überwiegend erst nach einer sicheren Einheilzeit (4-6
Monate; = Spätbelastung) oder
sofort
= Sofortbelastung.
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Welche
Besonderheiten
und Probleme bestehen bei zahnärztlichen Implantaten? |
 
-
So ist es für die Bakterien
der Mundhöhle bei entsprechenden Voraussetzungen leicht möglich,
am Implantatpfosten entlang in die Tiefe zu wandern und ähnliche
Reaktionen zu verursachen, wie man sie von
Zahnfleischerkrankungen
her kennt (eine sog.
Periimplantitis).
Diese Tatsache stellt die größte Gefahr für eine künstliche
Zahnwurzel dar und ist die Hauptursache für ihren
Verlust.
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Können
Implantate
bei jedem Patienten gesetzt werden?
|
Im Prinzip JA, wenn folgende
Grundvoraussetzungen stimmen:
-
eine gute
Mundhygiene
(siehe unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege)
und besonders am Übergang zwischen Implantat und Zahnfleisch
eine optimale
Plaquefreiheit,
um die Menge der Bakterien in diesem Bereich so gering wie
möglich zu halten (
Besonderheiten).
Ohne diese Hygienemaßnahme ist der
Misserfolg
dieser aufwendigen Behandlungsmaßnahme vorprogrammiert.
-
Befriedigende anatomische
Voraussetzungen: wo kaum noch Kieferknochen vorhanden ist - z.B.
durch eine stark fortgeschrittene "Parodontose"
- , kann auch nichts mehr eingepflanzt werden. Eine Ausnahme
stellen hier die
subperiostalen Implantate
und das
Sinuslifting
dar. Generell ist die Qualität der Knochenmasse und dessen
Dichtigkeit und somit der
Implantaterfolg
im Unterkiefer besser als im Oberkiefer.
Auch die in jüngerer Zeit angebotenen "kurzen Implantate"
unterliegen physikalischen Gesetzen. Ein derartiger
Einsatz, welcher erhebliche Kosten und chirurgische Eingriffe
sparen kann, ist nur bei guter
Knochenqualität erfolgreich.
-
Keine schweren
Grunderkrankungen, wie z.B. Bluterkrankungen (Leukämie), nicht
eingestellte Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), ständige
Zufuhr von Blutverdünnern (Marcumar-Therapie als
Infarkt-Prophylaxe), chronische Störungen des Immunsystems,
rheumatische Erkrankungen, schwere Leber- und Nierenleiden,
schlechter allgemeiner Körperzustand, Alkohol-, Nikotin- und
Drogenabhängigkeit. Auch bei regelmäßiger Einnahme von Cortison,
Immunsupressiva und Zytostatika ist eine Implantation nicht
angezeigt.
-
Bei
Jugendlichen können wegen des stark im Wachstum
befindlichen Kiefers bei Mädchen erst etwa ab 15 und bei Jungen
ab 18 Jahren Implantationen durchgeführt werden.
-
Die Implantat- und später die
Zahnersatzversorgung stellen hohe Anforderungen an Zeit, Technik
und Geschick des Behandlers. Es müssen deshalb zahlreiche
Termine eingeplant werden und entsprechende
finanzielle Mittel
vorhanden sein.
-
regelmäßige
Kontrollen in einer zahnärztlichen Praxis (sog.
Recall;
mindestens 2mal im Jahr), um rechtzeitig negative Veränderungen
zu erkennen und zu beheben (z.B.
Unterfüttern
des Zahnersatzes, Korrektur des
Bisses,
Behandlung von Implantat-Zahnfleisch-Taschen).
-
Schätzungen
zufolge machen jährlich etwa 2000 Patienten vor Gericht
Haftungsansprüche gegen ihren Zahnarzt geltend – im Vergleich
zur Zahl der Behandlungen eine verschwindend geringe Zahl.
Gleichwohl beobachten Juristen, dass die Haftungsfälle spürbar
steigen, auch und gerade im Bereich der Zahnimplantologie. Der
Grund: Angesichts steigender Implantationszahlen und komplexer
werdender Eingriffe steigt auch die absolute Zahl von
Misserfolgen – wobei Misserfolg nicht automatisch
„Fehlbehandlung“ bedeutet.
|
Wie
ist der Erfolg?

|
Auch wenn heute
noch kein ideales Implantatsystem zur Verfügung steht (s.u.),
sind die bisherigen, nach wissenschaftlichen Kriterien untersuchten
Erfolge beachtlich:
|
Mit
welchen Kosten ist zu rechnen? |
Die Kosten können - je nach Implantatsystem - unterschiedlich sein.
Als Richtwert kann ein Betrag (incl. zahnärztlichem Honorar) von
900 - 1.300 Euro- pro Implantat - ohne den darauf
befestigten Zahnersatz ("Suprakonstruktion")
und zusätzliche chirurgische Maßnahmen (z.B:
Sinuslifting) -
gelten.
Ausführliche Berechnungsbeispiele
(siehe unter Ordner - Festzuschuss Implantate)
Private
Krankenversicherungen erstatten - im Rahmen des abgeschlossenen
Tarifs - die Kosten nach der amtlichen Gebührenordnung
(GOZ).
Es wird allerdings dringend empfohlen, eine vorherige
Kostenabklärung durchzuführen. Es wird dringend ein empfohlen, einen
Kostenvoranschlag
einzureichen. |
Welche
Implantatarten unterscheidet man in der Zahnheilkunde? |
Geschlossene
Implantate
- wie oben
dargestellt - auf die im Rahmen
dieser Darstellung nicht näher eingegangen wird.
Halboffne Implantate,
welche entweder
auf dem Kieferknochen
(wenig verbreitet; Fachausdruck: 'subperiostal') oder im
Kieferknochen (Fachausdruck: 'enossal') befestigt sind (Osseointegration). |
Befestigung
der
Suprakonstruktion:
Verschrauben oder Zementieren?

verschraubte
Implantatkronen |
Es
gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, DAS, was auf das Implantat
gesetzt wird - die sog. Suprakonstruktion -, mit dem
Implantat zu verbinden:
Verschrauben
In den früheren Jahren der Implantologie
wurden die prothetischen Suprakonstruktionen auf Zahnimplantate
stets aufgeschraubt. Von Vorteil ist dabei, dass nachträglich
noch Korrekturen oder auch Reparaturen außerhalb des Mundes
vorgenommen werden können. Weiter kann die Konstruktion zur
Implantatreinigung abgeschraubt werden. Nachteilig ist die
aufwendigere Konstruktion (es muss in die Suprakonstruktion ein
Schraubkanal eingearbeitet werden) und unter Umständen eine damit
verbundene geringere Ästhetik
Zementierung
Eine definitive Befestigung mit einem geeigneten Zement hat sich
heute (2008) bei der Mehrzahl der Fälle etabliert. Neben
geringeren Kosten verspricht dieses Vorgehen bessere kosmetische
Ergebnisse und ist hygienischer. Nachteilig kann manchmal eine
geringere Haftkraft der Suprakonstruktion auf dem Implantat
sein. Reparaturen oder eine Erweiterung bestehender
Suprakonstruktionen sind nur erschwert - wenn überhaupt -
möglich
|
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|
Welche
Arten von enossalen
Implantaten werden angewandt? |
Es existieren eine Vielzahl von Implantatarten
und -formen. Je nach anatomischen Verhältnissen und
Verwendungszweck
kann unter versch. Formen und Techniken ausgewählt werden.
Nachfolgend die wichtigsten Typen:
-
Zylinder- bzw.
Hohlzylinderimplantate: das Implantat wird in einen
vor gefrästen, genormten Hohlraum formschlüssig mit leichten
Hammerschlägen "eingetrieben":
-
Blattimplantate: die Kaubelastung
wird im Kieferknochen auf eine größere Fläche verteilt. Diese
Art - welche früher weit verbreitet war - wurde hauptsächlich
deswegen verlassen, weil bei einem infektionsbedingten Verlust (
Probleme)
auch wertvoller Kieferknochen verloren geht. Zusätzlich ist der
operative Eingriff erheblich größer als bei den beiden
vorgenannten Arten:
-
Ebenfalls nur noch wenig
gebräuchlich sind die Nadel- und Stiftimplantate.
-
Wissenschaftlich umstritten sind in D die sog. Diskimplantate
-
siehe auch
Implantatidentifikation ("Implantatsteckbrief")
im Lexikonteil
|
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Vor- und Nachteile
von implantatgetragenem Zahnersatz
|
+ positiv |
- negativ |
|
kein Beschleifen der Nachbarzähne, wie bei einer konventionellen
Brücke, wenn ein Zahn fehlt. |
Nur
eine gute
Mundhygiene
(siehe unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege)
bringt auf Dauer den gewünschten
Erfolg |
|
Bei einem guten Einheilen des Implantates bildet sich der
Kieferknochen nur noch gering zurück |
Nicht jeder Patient und nicht jeder Kiefer sind für ein Implantat
geeignet. Von dem Zahnarzt müssen umfangreiche Fortbildungskurse
besucht werden. |
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Anstelle von herausnehmbaren Prothesen kann häufig noch ein
festsitzender Zahnersatz eingegliedert werden |
Hohe Kosten der "Implantatwerkzeuge", die von den Krankenkassen in
der Regel nicht übernommen werden |
|
Sicheres und festes Beiß- und Abbeißgefühl mit dem durch Implantate
versehenen Zahnersatz |
Bedingt durch die starre Verbindung 'Implantat-Knochen' ist ein
"nachgebendes" Beißen und Abbeißen wie mit den eigenen Zähnen nicht
möglich |
|
Unbefriedigend sitzende
Vollprothesen können durch
Implantate eine erhebliche Verbesserung erlangen |
Ein
operativer Eingriff - meist unter
örtlicher Betäubung - ist
unumgänglic |
|
Bei jungen Patienten ein
idealer
Ersatz für (unfallbedingt) verloren gegangene Einzelzähne |
Auch
die übrige Mundhöhle muss behandelt ("saniert") sein, da Implantate
besonders empfindlich auf Fehlbelastungen und schlechte hygienische
Verhältnisse reagieren |
|
Ständige wissenschaftliche Weiterentwicklungen und erheblich
verbesserte Materialien haben die
Erfolgsquote
im letzten Jahrzehnt deutlich ansteigen lassen |
Bei
Implantatverlust sind durch Knochenschwund
und Narbenbildung die Voraussetzungen für einen Zahnersatz
schlechter als vor dem Setzen der Implantate |
|
Die Prognosen für das nächste Jahrzehnt sprechen für ganz Europa von
einer starken Zunahme der Implantatversorgung |
Kostenübernahme durch die Krankenkassen wird sehr unterschiedlich
gehandhabt - unbedingt vor einer Behandlung Abklärung der
Gesamtkosten |
|
Aus
welchen Materialien
bestehen Zahnimplantate?

©: Fa.
Straumann/CH

Implantat-Werkstoffe:
Vergleich Titan vs. Zirkoniumdioxid

©: Fa. Sigma/CH |
Bei den
Materialien haben sich das Metall Titan und versch. Keramikarten
(Glaskeramik, Aluminiumoxydkeramik, Zirkonkeramik) durchgesetzt:
-
Titan
(Abb. li. o.) bzw. ein mit Titanoxyd beschichteter Metallkörper
sind in der Allgemeinmedizin ein bewährtes und stabiles
Material, wie z.B. unzählige Erfahrungen mit künstlichen
Hüftgelenken zeigen. Neben seiner ausgezeichneten Belastbarkeit
kann es in seiner Größe immer mehr einer natürlichen Zahnwurzel
nachgebildet werden. Wegen seiner ausgezeichneten
Bioverträglichkeit lagert sich
relativ rasch an seiner Oberfläche der Kieferknochen an und gibt
dem Implantatkörper einen festen Halt
(Osseointegration).
Diese Eigenschaft macht den Werkstoff aber auch empfänglich für
das Anlagern von unerwünschten Bakterien, und so entstehen mit
dem Teil des Implantates, welcher in die Mundhöhle ragt
(Implantatpfosten), Probleme derart, dass sich auf der
Oberfläche besonders gern auch Bakterien festsetzen, am
Implantat entlang in die Tiefe wandern (
Probleme) und so den Erhalt der
künstlichen Zahnwurzel gefährden können. Eine exzellente
Mundhygiene
(siehe unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege)
ist unabdingbare Voraussetzung bei diesem eingepflanzten
Material!
-
Keramiken
(Abb. li. u.) - ebenfalls von sehr guter
Bioverträglichkeit - kennen
hauptsächlich wegen Ihrer glatten Oberfläche die zuvor
beschriebene Problematik nicht so stark. Die Gefahr eines
Eindringens von Bakterien über den Implantatpfosten ist
erheblich geringer. Ein großer Nachteil der Keramiken ist aber
deren geringe Elastizität und Festigkeit sowie die mangelnde
Osseointegration. Die
Implantatkörper müssen sehr viel größer dimensioniert sein, was
mit einem "unnötigen" Opfern von Kieferknochen verbunden ist und
bei
Einzelzahnimplantaten
auf Platzprobleme, zu den natürlichen Nachbarzähnen hin, stößt.
-
Die
Zukunft wird den sog.
Verbund-Implantaten gehören, bei welchen der in die Mundhöhle
ragende Teil (Implantatpfosten) aus Keramik besteht oder z.T.
damit beschichtet ist ("Keramikmanschette") und der im
Körpergewebe befindliche Teil (Implantatkörper) aus Titan
besteht oder damit beschichtet ist:
Zukunftsträchtig sind ebenfalls Implantate ausschließlich aus
Zirkonium-Materialien.
|
Wo
können "künstliche Zahnwurzeln"
angewandt
werden? |
Das
Einsatzgebiet für Implantate ist sehr umfangreich:
-
Einzelzahnimplantate; hauptsächlich angewandt bei
einem Schneidezahnverlust oder Verlust des ersten großen
Backenzahns ("Sechsjahrmolar") bei sonst kariesarmen Gebiss.
-
zur Befestigung oder Stabilisierung
von
Brücken (siehe
unter Ordner - Z-Ersatz-Brücke) und Teilprothesen:
Grundsätzlich kann ein
Zahnersatz
auf einem Implantat festsitzend (wird fest auf dem
Implantatpfosten einzementiert), bedingt herausnehmbar
(verschraubbar; durch den Zahnarzt) oder (selten) herausnehmbar
sitzen. Ebenso sind Kombinationen
natürliche Zähne - Implantate ("Verbundbrücke", s.
Abb.) möglich:

Wegen der generellen
Implantatproblematik sollte - wenn
irgendwie vertretbar und vom Patienten toleriert - aus
hygienischen Gründen die zum Reinigen herausnehmbare Variante
gewählt werden. Bei festsitzenden Konstruktionen muss unbedingt
darauf geachtet werden, dass die Problemzone "Implantat -
Zahnfleisch" gut einer häuslichen Reinigung zugänglich ist.
-
Implantate im
zahnlosen
Kiefer zur Stabilisierung einer
Vollprothese:
Gerade im zahnlosen Unterkiefer
zeigt eine Vollprothese bei stark zurückgebildetem Kieferknochen
eine unbefriedigenden Halt und Sitz. Neben den bisher
vorgestellten
enossalen
Implantaten kommen hier auch gelegentlich die
subperiostalen
Gerüstimplantate zum Einsatz, wenn die Knochendicke
nicht mehr ausreichend für das Setzen einer künstlichen
Zahnwurzel ist. Diese Implantatart wird durch Abformen des
Kieferknochens individuell angefertigt und unter der Schleim-
und Knochenhaut dem Knochen direkt aufgelagert.

Außer dem erheblichen
kieferchirurgischen Eingriff, bedingt diese Implantatart durch
eine nicht übliche Knochenbelastung häufig einen noch weiteren
Rückgang des schon minimierten Kieferknochens und durch das
Eindringen von Bakterien bei Komplikationen eine großflächige
Eiterung des Kieferknochens. Eine dann sich anschließende
prothetische Versorgung - diesmal ohne Implantat - ist nur noch
eingeschränkt möglich.
-
Andere Techniken bedienen sich -
besonders dann, wenn nur noch wenig Kieferknochen vorhanden ist
- sog.
Distraktionsimplantaten.

-
Die
BOI-Methode (BOI = BasaleOsseoIntegration)
ist eine in Deutschland wenig bekannte und umstrittene
Implantatart mit besonderem Einsatz im zurückgebildeten
Kiefer. Die Implantate bestehen aus
Titan und sollen früher als herkömmliche
Implantate (Schrauben-I.) belastbar sein im Sinne einer "Sofortimplantation".
Da B.-I. sich vom Konzept und in der Art des
Verbundes mit dem Knochen anders verhalten, als die
wissenschaftlich gewünschte feste
Osseointegration, findet dieses Verfahren bei den
deutschen wissenschaftlichen Fachgesellschaften wenig Akzeptanz
und wird von maßgeblichen Gesellschaften abgelehnt; gleichwohl
werden Erfolge bei Patienten berichtet.

© der Grafiken:
info@dental-clinic.ch
|
Wie
wird ein Implantat in den Körper eingebracht?

Überarbeitete
Graphik nach
einer Vorlage der Fa.
|
Es gibt versch.
Verfahren und Operationsmethoden:
-
Die Implantationsdauer entspricht
der eines kieferchirurgischen Eingriffs und wird unter
örtlicher Betäubung durchgeführt.
-
bei dem
einzeitigen Verfahren wird das gesamte Implantat unter
örtlicher Betäubung in den Kiefer eingebracht und mit einer
provisorischen Krone versehen.
Man nennt diese Methode deshalb "einzeitig", weil kein zweiter
kieferchirurgischer Eingriff zur vollen Funktion des Implantates
mehr erforderlich ist. Bis zur endgültigen Einheilung - bei
festem Sitz der künstlichen Wurzel (~ 3 Monate) - darf das
Implantat schonend belastet werden ("funktionelle Einheilung").
Danach kann die endgültige
Suprakonstruktion eingegliedert
werden.
Eine nur noch wenig gebräuchliche Sonderform des einzeitigen
Verfahrens ist das "Tübinger
Sofortimplantat", welches
in eine frische Extraktionswunde oder in die leere Alveole eines
nach Unfall verloren gegangenen Schneidezahns direkt eingesetzt
wird und nach 1-2 Wochen mit der endgültigen Krone versorgt
werden kann.
-
Als Standardmethode gilt
bisher (2010) das zweizeitige Verfahren (s. Abb.), bei
welchem in einem ersten Operationsabschnitt nur der
Implantatkörper (ohne den Teil des Implantates, welcher in die
Mundhöhle ragt) eingepflanzt und darüber die Kieferschleimhaut
wieder zugenäht wird. In dieser Phase ist die künstliche
Zahnwurzel für etwa 3-6 Monate ein
geschlossenes Implantat und kann so optimal Einheilen.
In einem zweiten Schritt wird nach
Einheilung die Kieferschleimhaut wieder chirurgisch eröffnet und
der Implantatpfosten in den Implantatkörper geschraubt. Die
endgültige Versorgung kann nun unverzüglich erfolgen.
Neure wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen
scheinen eine Abkehr von dieser Methode in naher Zukunft
einleiten zu können.
|
Kann
man frisch eingepflanzte Implantate
sofort mit einem Zahnersatz belasten? |
Sofortbelastung:
Neuere Untersuchungsmethoden zur
Knochenqualität und verbesserte chirurgische Techniken lassen die
als klassisch zu bezeichnende Wartephase für die Fälle, dass die
Implantate durch den darüber liegenden Zahnersatz "geschient" bzw.
fixiert sind, für die Zukunft ins Wanken geraten; z.Zt. birgt die
Sofortbelastung allerdings aufgrund mangelnder Beurteilungskriterien
noch ein erhöhtes Risiko; auf jeden Fall stehen bisher (2008)
fundierte Langzeituntersuchungen aus. |
Wie
kommen Misserfolge
bei einem Implantat zustande?

kosmetisch unbefriedigendes Ergebnis

ausgeprägte
Periimplantitis bei einem ungepflegten Gebisszustand |
Komplikationen -
bis hin zum Verlust des Implantates - treten auf (
Erfolg), sind aber in den letzten Jahren auf
Grund verbesserter Operationstechniken, optimierter
Materialeigenschaften, eines speziellen Gestaltens der
Suprakonstruktionen und einer
konsequenten
Nachsorge erheblich geringer
geworden. Sie zeigen ein ähnliches Bild wie das von einer
Zahnfleischerkrankung befallenen Zahnes und können schon bald
nach dem Eingriff oder auch erst nach Jahren eintreten (
Periimplantitis). Sie äußern sich
z.B. durch Lockerwerden des Implantates oder einer
Zahnfleischtaschenbildung mit Entzündung um den Implantathals herum,
Freiliegen des Implantatkörpers, unter Umständen verbunden mit erheblichen
Schmerzen; in den
Zahnfleischtaschen
um das Implantat findet man einen hohen Anteil von sog.
Markerkeimen.
Die Ursachen der
Periimplantitis (s. Abb.)
sind in der Regel eine Überbelastung des
Implantats, ein fachlich nicht korrektes Einbringen des Implantats
und eine schlechte Knochenqualität; begünstigend kommen eine
schlechte Nachsorge und ein Nikotinabusus hinzu. Die früher
gefürchteten Implantatbrüche und Frakturen der Beschichtung auf
Grund schlechter Materialeigenschaften oder schlecht geplanter
Suprakonstruktionen sind heute nur noch von untergeordneter
Bedeutung.
-
Komplikationen während der Operation durch Verletzen des
Unterkiefernervs (Taubheitsgefühle in der halbseitigen
Unterlippe) oder Eröffnen der Kieferhöhle
(Kieferhöhlenentzündung); selten durch Bruch eines
Implantatbohrers
-
Wundheilungsstörungen - wie sie nach jedem kieferchirurgischen
Eingriff auftreten können - verbunden mit einem
Nichtzustandekommen des dichten Anwachsens von Kieferknochen (Osseointegration)
an den Implantatkörper. Diese fehlende Einheilung kann auch
durch ungenügende Kühlung beim Fräsen des Implantatschachtes in
den Kieferknochen, Einbringen der künstlichen Zahnwurzel in
vorher schon entzündeten Kieferknochen oder eine frühzeitige
bzw. zu hohe Belastung der künstlichen Wurzel bedingt sein.
-
Von den beiden vorgenannten Punkten
abzugrenzen ist der spätere (ab 1 bis 2 Jahren) Verlust. Als
Ursachen kommen hierfür meist eine unzureichende
Mundhygiene,
(siehe unter Ordner -
Mundhygiene/Zahnpflege) falsch gewählte Implantattypen und Suprakonstruktionen, fehlende
Nachsorge
in einer Zahnarztpraxis, genetische Faktoren oder eine falsche
Indikation bzw. Planung in Frage.
Nach Untersuchungen der Charité in
Berlin steigt das Risiko, innerhalb von 10 Jahren Implantate zu
verlieren, bei Rauchern um den Faktor 10.
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Gibt
es Empfehlungen darüber,
wie viele Implantate eingesetzt werden sollten?
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Die
implantologischen Verbände (BDO, DGMKG, DGI und DGZI;
s.u.) haben 2008 ein sog.
"Konsensuspapier" verabschiedet und folgende Indikationsklassen zur
Implantattherapie erlassen:
|
Wo
kann ich mich im Internet
über Implantate zusätzlich informieren? |
Es existieren eine Vielzahl von
Web-Adressen zu diesem Thema, nachfolgend zwei vom Autor
geprüfte Adresse:
- rein wissenschaftliche Fachgesellschaften
Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und
Kieferbereiche e.V. -
,
Gründungsjahr 1994 ; ~ 5.700 Mitglieder (damit größte
wissenschaftliche Fachgesellschaft in Europa)
Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie e.V. -
DGZI ,
Gründungsjahr 1970 ; ~ 3.500 Mitglieder
Deutsches Zentrum für Orale Implantologie e.V. -
DZOI,
Gründungsjahr 1990 ; ~ 350 Mitglieder
- berufspolitisch bzw. wissenschaftliche Fachgesellschaften
Bundesverband der implantologisch tätigen Zahnärzte in Europa
e.V. im Sinne einer berufspolitischen Gesellschaft -
BDIZ mit
EDI, Gründungsjahr 1989 ; ~ 3.000 Mitglieder
Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie
e.V.; berufspolitische und wissenschaftliche
Fachgesellschaft; -
DGMKG,
Gründungsjahr 1951 ; ~ 1.420 Mitglieder
Berufsverband Deutscher Oralchirurgen; berufspolitisch tätig -
BDO,
Gründungsjahr 1983 ; ~ 900 Mitglieder
- Zusammenschlüsse mit besonderen
Merkmalen
European Centers for Dental Implantology (ECDI)
; 2009 gegründete Gruppe von implantologisch tätigen Praxen und
Kliniken, welche sich besondere Qualitätsanforderungen gesetzt
haben
- weltweite wissenschaftliche Fachgesellschaften
AO Academy of
Osseointegration, über 6000 Mitglieder, in über 70 Ländern
der Welt vertreten
AAID, American
Academy of Implant Dentistry, 1951 gegründet, mehr als 3.500
Zahnärzte als implantologische Mitglieder
International Congress of Oral Implantologists -
ICOI;
Gründungsjahr 1972 ; in über 80 Ländern vertreten.
|
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Pflege und
Reinigung von Implantaten |
Für Implantate gibt es einen Hygieneratgeber im Internet. Unter dem
Titel "Implantate - lange haltbar, lange schön" wird ausführlich und
bebildert erklärt, worauf man besonders rund um die künstlichen
Zahnwurzeln achten muss.
Ebenfalls kostenlos ist der Ratgeber der
Deutschen Gesellschaft für Parodontologie. Die Broschüre gibt Auskunft
über Vorbehandlung, Pflege und Erhalt von Implantaten. Außerdem nennt
sie Vorteile und nötige Voraussetzungen für eine Implantatbehandlung.
Zudem gibt sie Tipps zur richtigen Mundhygiene nach einer Implantation.
Es wird ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass das Zahnhandbuch, kein Ersatz für einen Arztbesuch ist.
|
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www.corel.com
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