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Zahn Arzt Medizin Wissen/Artikel-Index - Implantat - künstliche Zahnwurzel-

es wird der Versuch unternommen, typische und häufige Behandlungsformen in einer zahnärztlichen Praxis allgemeinverständlich zu erläutern und Fragen dazu zu beantworten. Bilder die beim Überfahren mit der Maus -aus dem "Pfeil" eine "Hand" entstehen lässt-; können per Doppelklick vergrößert werden.

Suchen Sie bei unklaren und heftigen Beschwerden unbedingt einen Arzt auf! Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Webseite, kein Ersatz für einen Arztbesuch ist. Auf die Ausführungen im Disclaimer wird zusätzlich hingewiesen.

 

 

   Implantate, auch bekannt unter dem Namen "künstliche Zahnwurzeln" oder "eingepflanzte Zähne", sind der Wunsch vieler Patienten, denen einzelne oder alle eigenen Zähne unfallbedingt, erkrankungs- oder altershalber fehlen. Seit einigen Jahrzehnten sind Zahn-Implantate in Gebrauch und heutzutage ein fester Bestandteil der zahnärztlichen Therapie.
 

Häufig wird aber bei dem Wunsch nach Implantaten von Patienten übersehen, dass diese Fremdkörper nicht für jeden Organismus geeignet sind und eine außerordentlich gute Mundhygiene voraussetzen.
Dise Seite
soll einen Überblick über die versch. Implantatarten, ihre Anwendungsgebiete und deren Vor- und Nachteile geben.

   Implantat

 

 

frage.gif (528 Byte)Was ist ein "Implantat"?

In der Medizin bezeichnet man das operative Einbringen von lebenden Organteilen in den Körper als Transplantation, das von künstlich geschaffenen, die jeweilige Organfunktion nachahmenden Gebilden, als Implantation. Das "eingepflanzte" Teil - welches die Funktion mehr oder weniger gut übernimmt - heißt Implantat (z.B. Hüftgelenk, Gefäßprothese, Herzklappe).

In der Zahnmedizin versteht man darunter entweder ein Kieferknochenimplantat, wenn es darum geht, alters-, erkrankungs- oder unfallbedingt verloren gegangen Kieferknochen wieder aufzubauen oder das Einpflanzen einer künstlichen Zahnwurzel auf (selten) bzw. in den Kieferknochen zur Befestigung von Kronen, Brücken und herausnehmbarem Zahnersatz.

frage.gif (528 Byte)Wie ist der zeitliche Ablauf - prinzipielle Unterschiede

Die Versorgung mit Implantaten gliedert sich in drei große Abschnitte auf:

  • Sanierung der Mundhöhle - besonders Entfernung nicht erhaltungswürdiger Zähne und Schaffung eines geeigneten Implantatbettes.

  • Eigentliche Implantation (Setzen des Implantats in/auf den Kieferknochen). Dabei kann dieser sofort (in die frische Extraktionswunde = Sofortimplantation), verzögert (nach einer 2-6-wöchigen Ausheilzeit) oder spät (~ 3-4 Monate nach dem Entfernen eines Zahnes) erfolgen. Mehrheitlich wird letzteres Vorgehen aus vielfältigen Gründen praktiziert.

  • Versorgung und Belastung des Implantates mit Zahnersatz (Suprakonstruktion). Hierbei überwiegend erst nach einer sicheren Einheilzeit (4-6 Monate; = Spätbelastung) oder sofort = Sofortbelastung.

frage.gif (659 Byte)Welche Besonderheiten und Probleme bestehen bei zahnärztlichen Implantaten?
  • Bei den allgemeinmedizinischen Implantaten (z.B. Hüftgelenke) handelt es sich immer um "geschlossene" Implantate d.h., sie sind vollständig von Körpergewebe umgeben. Eine Infektionsgefahr von Außen her ist bei dieser Art nicht gegeben.  

  • In der Zahnmedizin sind nur die Knochenimplantate (z.B.: Alveolarkammplastik) zum Aufbau von fehlendem Kieferknochen, die Transfixation (eine Implantation durch eine bestehende Zahnwurzel hindurch, auch als endodontisches Implantat bezeichnet) und einige andere "exotische" Formen, wie Magnetimplantate, rein "geschlossen", der überwiegende Anteil wird als "halboffen" bezeichnet, da ein Teil (der Implantatpfosten, der zur Aufnahme des Zahnersatzes benötigt wird) in die mit reichlich Bakterien versehene Mundhöhle ragt. Das Zahnfleisch kann sich dem sichtbaren Implantatteil nur anlagern und ist nicht wie beim natürlichem Zahn (Abb. unten links) durch ein kompliziertes, biologisches System mit diesem fest verwachsen.

dentvers.gif (8287 Byte)dentver1.gif (7216 Byte)

  • So ist es für die Bakterien der Mundhöhle bei entsprechenden Voraussetzungen leicht möglich, am Implantatpfosten entlang in die Tiefe zu wandern und ähnliche Reaktionen zu verursachen, wie man sie von Zahnfleischerkrankungen her kennt (eine sog. Periimplantitis). Diese Tatsache stellt die größte Gefahr für eine künstliche Zahnwurzel dar und ist die Hauptursache für ihren Verlust.

frage.gif (528 Byte)Können Implantate bei jedem Patienten gesetzt werden?
 

 

 

 


 

 

Im Prinzip JA, wenn folgende Grundvoraussetzungen stimmen:

  • eine gute Mundhygiene (siehe unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege) und besonders am Übergang zwischen Implantat und Zahnfleisch eine optimale Plaquefreiheit, um die Menge der Bakterien in diesem Bereich so gering wie möglich zu halten ( Besonderheiten). Ohne diese Hygienemaßnahme ist der Misserfolg dieser aufwendigen Behandlungsmaßnahme vorprogrammiert.

  • Befriedigende anatomische Voraussetzungen: wo kaum noch Kieferknochen vorhanden ist - z.B. durch eine stark fortgeschrittene "Parodontose" - , kann auch nichts mehr eingepflanzt werden. Eine Ausnahme stellen hier die subperiostalen Implantate und das Sinuslifting dar. Generell ist die Qualität der Knochenmasse und dessen Dichtigkeit und somit der Implantaterfolg im Unterkiefer besser als im Oberkiefer.
    Auch die in jüngerer Zeit angebotenen "kurzen Implantate" unterliegen physikalischen Gesetzen.
    Ein derartiger Einsatz, welcher erhebliche Kosten und chirurgische Eingriffe sparen kann, ist nur bei guter Knochenqualität erfolgreich.

  • Keine schweren Grunderkrankungen, wie z.B. Bluterkrankungen (Leukämie), nicht eingestellte Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), ständige Zufuhr von Blutverdünnern (Marcumar-Therapie als Infarkt-Prophylaxe), chronische Störungen des Immunsystems, rheumatische Erkrankungen, schwere Leber- und Nierenleiden, schlechter allgemeiner Körperzustand, Alkohol-, Nikotin- und Drogenabhängigkeit. Auch bei regelmäßiger Einnahme von Cortison, Immunsupressiva und Zytostatika ist eine Implantation nicht angezeigt.

  • Bei Jugendlichen können wegen des stark im Wachstum befindlichen Kiefers bei Mädchen erst etwa ab 15 und bei Jungen ab 18 Jahren Implantationen durchgeführt werden.

  • Die Implantat- und später die Zahnersatzversorgung stellen hohe Anforderungen an Zeit, Technik und Geschick des Behandlers. Es müssen deshalb zahlreiche Termine eingeplant werden und entsprechende finanzielle Mittel vorhanden sein.

  • regelmäßige Kontrollen in einer zahnärztlichen Praxis (sog. Recall; mindestens 2mal im Jahr), um rechtzeitig negative Veränderungen zu erkennen und zu beheben (z.B. Unterfüttern des Zahnersatzes, Korrektur des Bisses, Behandlung von Implantat-Zahnfleisch-Taschen).

  • Schätzungen zufolge machen jährlich etwa 2000 Patienten vor Gericht Haftungsansprüche gegen ihren Zahnarzt geltend – im Vergleich zur Zahl der Behandlungen eine verschwindend geringe Zahl. Gleichwohl beobachten Juristen, dass die Haftungsfälle spürbar steigen, auch und gerade im Bereich der Zahnimplantologie. Der Grund: Angesichts steigender Implantationszahlen und komplexer werdender Eingriffe steigt auch die absolute Zahl von Misserfolgen – wobei Misserfolg nicht automatisch „Fehlbehandlung“ bedeutet.
     

 

frage.gif (528 Byte)Wie ist der Erfolg?


 

Auch wenn heute noch kein ideales Implantatsystem zur Verfügung steht (s.u.), sind die bisherigen, nach wissenschaftlichen Kriterien untersuchten Erfolge beachtlich:
 

  • Die "5-Jahres-Erfolgsquote" wird in der Literatur mit etwa 95% für den Unterkiefer und ~ 90% für den Oberkiefer angegeben. Dieser prozentuale Unterschied ist mit den versch. Knochenstrukturen der beiden Kiefer zu erklären.

  • Als Implantat-Erfolg werden folgende Kriterien angesehen:
     Abwesenheit anhaltender Beschwerden wie Schmerz, Infektion, Taubheitsgefühl, Neuropathien
     keine Beweglichkeit
     röntgenologisch kein Spalt zwischen Implantat und Kieferknochen sichtbar
     nur geringer Knochenverlust (0,2 mm) im ersten Jahr der Implantation
     Zufriedenheit des Patienten.
     Häufig wird in der Literatur eine bestimmte Liegedauer eines Implantat (z.B. "..5-Jahres-Überlebensrate von 90%") angegeben. Derartige Zahlen sind z.Zt. noch mit einer gewissen Zurückhaltung zu betrachten, da einige Untersuchungen den Implantatverlust innerhalb des ersten Jahres nicht berücksichtigen, andere Angaben nur davon sprechen, dass sich das Implantat noch im Mund befindet, aber nichts über den Zustand aussagen.

  • Das Einbringen dentaler Implantate gilt als sicheres chirurgisches Verfahren. Chirurgische Komplikationen, die vor allem in ungünstigen anatomischen Verhältnissen und/oder reduziertem Knochenangebot auftreten, können die Verletzung von Nachbarstrukturen verursachen. Eine sachgerechte prothetische Versorgung erfordert eine ausreichende präoperative Planung unter funktionalen Aspekten. Biologische und mechanische Grenzen müssen berücksichtigt werden. Durch Knochenersatzmaterial verursachte Komplikationen können anatomische Defekte vergrößern.
    Zu diesen hauptsächlichen Komplikationsfaktoren hat der Bundesverband der implantologisch tätigen Zahnärzte in Europa (BDZI EDI) 2010 einen Leitfaden herausgegeben:

frage.gif (528 Byte)Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Die Kosten können - je nach Implantatsystem - unterschiedlich sein. Als Richtwert kann ein Betrag (incl. zahnärztlichem Honorar) von 900 - 1.300 Euro-  pro Implantat - ohne den darauf befestigten Zahnersatz ("Suprakonstruktion") und zusätzliche chirurgische Maßnahmen (z.B: Sinuslifting) - gelten.

Ausführliche Berechnungsbeispiele (siehe unter Ordner - Festzuschuss Implantate)

Private Krankenversicherungen erstatten - im Rahmen des abgeschlossenen Tarifs - die Kosten nach der amtlichen Gebührenordnung
(GOZ). Es wird allerdings dringend empfohlen, eine vorherige Kostenabklärung durchzuführen. Es wird dringend ein empfohlen, einen Kostenvoranschlag einzureichen.

frage.gif (528 Byte)Welche Implantatarten unterscheidet man in der Zahnheilkunde?

Geschlossene Implantate - wie oben dargestellt - auf die im Rahmen dieser Darstellung nicht näher eingegangen wird.

Halboffne Implantate, welche entweder auf dem Kieferknochen (wenig verbreitet; Fachausdruck: 'subperiostal') oder im Kieferknochen (Fachausdruck: 'enossal') befestigt sind (Osseointegration).

frage.gif (528 Byte)Befestigung der
Suprakonstruktion:
Verschrauben oder Zementieren?



verschraubte
Implantatkronen

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, DAS, was auf das Implantat gesetzt wird - die sog. Suprakonstruktion -, mit dem Implantat zu verbinden:
  • Verschrauben
    In den früheren Jahren der Implantologie wurden die prothetischen Suprakonstruktionen auf Zahnimplantate stets aufgeschraubt. Von Vorteil ist dabei, dass nachträglich noch Korrekturen oder auch Reparaturen außerhalb des Mundes vorgenommen werden können. Weiter kann die Konstruktion zur Implantatreinigung abgeschraubt werden. Nachteilig ist die aufwendigere Konstruktion (es muss in die Suprakonstruktion ein Schraubkanal eingearbeitet werden) und unter Umständen eine damit verbundene geringere Ästhetik
     
  • Zementierung
    Eine definitive Befestigung mit einem geeigneten Zement hat sich heute (2008) bei der Mehrzahl der Fälle etabliert. Neben geringeren Kosten verspricht dieses Vorgehen bessere kosmetische Ergebnisse und ist hygienischer. Nachteilig kann manchmal eine geringere Haftkraft der Suprakonstruktion auf dem Implantat sein. Reparaturen oder eine Erweiterung bestehender Suprakonstruktionen sind nur erschwert - wenn überhaupt - möglich

 

   
frage.gif (528 Byte)Welche Arten von enossalen Implantaten werden angewandt?

Es existieren eine Vielzahl von Implantatarten und -formen. Je nach anatomischen Verhältnissen und Verwendungszweck kann unter versch. Formen und Techniken ausgewählt werden. Nachfolgend die wichtigsten Typen:

  • Schraubenimplantate: das Implantat wird in ein vorgefrästes, genormtes "Loch" in den Kiefer geschraubt:
    schrimpl.gif (7389 Byte)

  • Zylinder- bzw. Hohlzylinderimplantate: das Implantat wird in einen vor gefrästen, genormten Hohlraum formschlüssig mit leichten Hammerschlägen "eingetrieben":
    zyliimpl.jpg (21366 Byte)

  • Blattimplantate: die Kaubelastung wird im Kieferknochen auf eine größere Fläche verteilt. Diese Art - welche früher weit verbreitet war - wurde hauptsächlich deswegen verlassen, weil bei einem infektionsbedingten Verlust ( Probleme) auch wertvoller Kieferknochen verloren geht. Zusätzlich ist der operative Eingriff erheblich größer als bei den beiden vorgenannten Arten:

  • Ebenfalls nur noch wenig gebräuchlich sind die Nadel- und Stiftimplantate.

  • Wissenschaftlich umstritten sind in D die sog. Diskimplantate

  • siehe auch Implantatidentifikation ("Implantatsteckbrief") im Lexikonteil

Vor- und Nachteile von implantatgetragenem Zahnersatz

 

+ positiv

- negativ

kein Beschleifen der Nachbarzähne, wie bei einer konventionellen Brücke, wenn ein Zahn fehlt. Nur eine gute Mundhygiene (siehe unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege) bringt auf Dauer den gewünschten Erfolg
Bei einem guten Einheilen des Implantates bildet sich der Kieferknochen nur noch gering zurück Nicht jeder Patient und nicht jeder Kiefer sind für ein Implantat geeignet. Von dem Zahnarzt müssen umfangreiche Fortbildungskurse besucht werden.
Anstelle von herausnehmbaren Prothesen kann häufig noch ein festsitzender Zahnersatz eingegliedert werden Hohe Kosten der "Implantatwerkzeuge", die von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen werden
Sicheres und festes Beiß- und Abbeißgefühl mit dem durch Implantate versehenen Zahnersatz Bedingt durch die starre Verbindung 'Implantat-Knochen' ist ein "nachgebendes" Beißen und Abbeißen wie mit den eigenen Zähnen nicht möglich
Unbefriedigend sitzende Vollprothesen können durch Implantate eine erhebliche Verbesserung erlangen Ein operativer Eingriff - meist unter örtlicher Betäubung - ist unumgänglic
Bei jungen Patienten ein idealer Ersatz für (unfallbedingt) verloren gegangene Einzelzähne Auch die übrige Mundhöhle muss behandelt ("saniert") sein, da Implantate besonders empfindlich auf Fehlbelastungen und schlechte hygienische Verhältnisse reagieren
Ständige wissenschaftliche Weiterentwicklungen und erheblich verbesserte Materialien haben die Erfolgsquote im letzten Jahrzehnt deutlich ansteigen lassen Bei Implantatverlust sind durch Knochenschwund und Narbenbildung die Voraussetzungen für einen Zahnersatz schlechter als vor dem Setzen der Implantate
Die Prognosen für das nächste Jahrzehnt sprechen für ganz Europa von einer starken Zunahme der Implantatversorgung Kostenübernahme durch die Krankenkassen wird sehr unterschiedlich gehandhabt - unbedingt vor einer Behandlung Abklärung der Gesamtkosten

 

frage.gif (528 Byte)Aus welchen Materialien bestehen Zahnimplantate?


©: Fa. Straumann/CH



Implantat-Werkstoffe:
Vergleich Titan vs. Zirkoniumdioxid

©: Fa. Sigma/CH

Bei den Materialien haben sich das Metall Titan und versch. Keramikarten (Glaskeramik, Aluminiumoxydkeramik, Zirkonkeramik) durchgesetzt:
 

  • Titan (Abb. li. o.) bzw. ein mit Titanoxyd beschichteter Metallkörper sind in der Allgemeinmedizin ein bewährtes und stabiles Material, wie z.B. unzählige Erfahrungen mit künstlichen Hüftgelenken zeigen. Neben seiner ausgezeichneten Belastbarkeit kann es in seiner Größe immer mehr einer natürlichen Zahnwurzel nachgebildet werden. Wegen seiner ausgezeichneten Bioverträglichkeit lagert sich relativ rasch an seiner Oberfläche der Kieferknochen an und gibt dem Implantatkörper einen festen Halt (Osseointegration). Diese Eigenschaft macht den Werkstoff aber auch empfänglich für das Anlagern von unerwünschten Bakterien, und so entstehen mit dem Teil des Implantates, welcher in die Mundhöhle ragt (Implantatpfosten), Probleme derart, dass sich auf der Oberfläche besonders gern auch Bakterien festsetzen, am Implantat entlang in die Tiefe wandern ( Probleme) und so den Erhalt der künstlichen Zahnwurzel gefährden können. Eine exzellente Mundhygiene (siehe unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege) ist unabdingbare Voraussetzung bei diesem eingepflanzten Material!

  • Keramiken (Abb. li. u.) - ebenfalls von sehr guter Bioverträglichkeit - kennen hauptsächlich wegen Ihrer glatten Oberfläche die zuvor beschriebene Problematik nicht so stark. Die Gefahr eines Eindringens von Bakterien über den Implantatpfosten ist erheblich geringer. Ein großer Nachteil der Keramiken ist aber deren geringe Elastizität und Festigkeit sowie die mangelnde Osseointegration. Die Implantatkörper müssen sehr viel größer dimensioniert sein, was mit einem "unnötigen" Opfern von Kieferknochen verbunden ist und bei Einzelzahnimplantaten auf Platzprobleme, zu den natürlichen Nachbarzähnen hin, stößt.

  • Die Zukunft wird den sog. Verbund-Implantaten gehören, bei welchen der in die Mundhöhle ragende Teil (Implantatpfosten) aus Keramik besteht oder z.T. damit beschichtet ist ("Keramikmanschette") und der im Körpergewebe befindliche Teil (Implantatkörper) aus Titan besteht oder damit beschichtet ist:
    Zukunftsträchtig sind ebenfalls Implantate ausschließlich aus
    Zirkonium-Materialien.

 

frage.gif (528 Byte)Wo können "künstliche Zahnwurzeln" angewandt werden?

Das Einsatzgebiet für Implantate ist sehr umfangreich:
 

  • Einzelzahnimplantate; hauptsächlich angewandt bei einem Schneidezahnverlust oder Verlust des ersten großen Backenzahns ("Sechsjahrmolar") bei sonst kariesarmen Gebiss.
                  einzelim.gif (4573 Byte)

  • zur Befestigung oder Stabilisierung von Brücken (siehe unter Ordner - Z-Ersatz-Brücke) und Teilprothesen:
    Grundsätzlich kann ein
    Zahnersatz auf einem Implantat festsitzend (wird fest auf dem Implantatpfosten einzementiert), bedingt herausnehmbar (verschraubbar; durch den Zahnarzt) oder (selten) herausnehmbar sitzen. Ebenso sind Kombinationen natürliche Zähne - Implantate ("Verbundbrücke", s. Abb.) möglich:
                        

    Wegen der generellen Implantatproblematik sollte - wenn irgendwie vertretbar und vom Patienten toleriert - aus hygienischen Gründen die zum Reinigen herausnehmbare Variante gewählt werden. Bei festsitzenden Konstruktionen muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Problemzone "Implantat - Zahnfleisch" gut einer häuslichen Reinigung zugänglich ist.

  • Implantate im zahnlosen Kiefer zur Stabilisierung einer Vollprothese:
    Gerade im zahnlosen Unterkiefer zeigt eine Vollprothese bei stark zurückgebildetem Kieferknochen eine unbefriedigenden Halt und Sitz. Neben den bisher vorgestellten enossalen Implantaten kommen hier auch gelegentlich die subperiostalen Gerüstimplantate zum Einsatz, wenn die Knochendicke nicht mehr ausreichend für das Setzen einer künstlichen Zahnwurzel ist. Diese Implantatart wird durch Abformen des Kieferknochens individuell angefertigt und unter der Schleim- und Knochenhaut dem Knochen direkt aufgelagert.

                      geruest.gif (4222 Byte)
    Außer dem erheblichen kieferchirurgischen Eingriff, bedingt diese Implantatart durch eine nicht übliche Knochenbelastung häufig einen noch weiteren Rückgang des schon minimierten Kieferknochens und durch das Eindringen von Bakterien bei Komplikationen eine großflächige Eiterung des Kieferknochens. Eine dann sich anschließende prothetische Versorgung - diesmal ohne Implantat - ist nur noch eingeschränkt möglich.
     

  • Andere Techniken bedienen sich - besonders dann, wenn nur noch wenig Kieferknochen vorhanden ist - sog. Distraktionsimplantaten.

                   
                        
     

  • Die BOI-Methode (BOI = BasaleOsseoIntegration) ist eine in Deutschland wenig bekannte und umstrittene Implantatart mit besonderem Einsatz im zurückgebildeten Kiefer. Die Implantate bestehen aus Titan und sollen früher als herkömmliche Implantate (Schrauben-I.) belastbar sein im Sinne einer "Sofortimplantation".
    Da B.-I. sich vom Konzept und in der Art des Verbundes mit dem Knochen anders verhalten, als die wissenschaftlich gewünschte feste Osseointegration, findet dieses Verfahren bei den deutschen wissenschaftlichen Fachgesellschaften wenig Akzeptanz und wird von maßgeblichen Gesellschaften abgelehnt; gleichwohl werden Erfolge bei Patienten berichtet.

            
             © der Grafiken: info@dental-clinic.ch  

frage.gif (528 Byte)Wie wird ein Implantat in den Körper eingebracht?


Überarbeitete
Graphik nach
einer Vorlage der Fa.


 

Es gibt versch. Verfahren und Operationsmethoden:

  • Die Implantationsdauer entspricht der eines kieferchirurgischen Eingriffs und wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt.
     

  • bei dem einzeitigen Verfahren wird das gesamte Implantat unter örtlicher Betäubung in den Kiefer eingebracht und mit einer provisorischen Krone versehen. Man nennt diese Methode deshalb "einzeitig", weil kein zweiter kieferchirurgischer Eingriff zur vollen Funktion des Implantates mehr erforderlich ist. Bis zur endgültigen Einheilung - bei festem Sitz der künstlichen Wurzel (~ 3 Monate) - darf das Implantat schonend belastet werden ("funktionelle Einheilung"). Danach kann die endgültige Suprakonstruktion eingegliedert werden.
    Eine nur noch wenig gebräuchliche Sonderform des einzeitigen Verfahrens ist das "Tübinger Sofortimplantat", welches in eine frische Extraktionswunde oder in die leere Alveole eines nach Unfall verloren gegangenen Schneidezahns direkt eingesetzt wird und nach 1-2 Wochen mit der endgültigen Krone versorgt werden kann.

     

  • Als Standardmethode gilt bisher (2010) das zweizeitige Verfahren (s. Abb.), bei welchem in einem ersten Operationsabschnitt nur der Implantatkörper (ohne den Teil des Implantates, welcher in die Mundhöhle ragt) eingepflanzt und darüber die Kieferschleimhaut wieder zugenäht wird. In dieser Phase ist die künstliche Zahnwurzel für etwa 3-6 Monate ein geschlossenes Implantat und kann so optimal Einheilen.
    In einem zweiten Schritt wird nach Einheilung die Kieferschleimhaut wieder chirurgisch eröffnet und der Implantatpfosten in den Implantatkörper geschraubt. Die endgültige Versorgung kann nun unverzüglich erfolgen.
    Neure wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen scheinen eine Abkehr von dieser Methode in naher Zukunft einleiten zu können.

frage.gif (528 Byte)Kann man frisch eingepflanzte Implantate sofort mit einem Zahnersatz belasten? Sofortbelastung:
Neuere Untersuchungsmethoden zur Knochenqualität und verbesserte chirurgische Techniken lassen die als klassisch zu bezeichnende Wartephase für die Fälle, dass die Implantate durch den darüber liegenden Zahnersatz "geschient" bzw. fixiert sind, für die Zukunft ins Wanken geraten; z.Zt. birgt die Sofortbelastung allerdings aufgrund mangelnder Beurteilungskriterien noch ein erhöhtes Risiko; auf jeden Fall stehen bisher (2008) fundierte Langzeituntersuchungen aus.
frage.gif (528 Byte)Wie kommen Misserfolge bei einem Implantat zustande?

 



kosmetisch unbefriedigendes Ergebnis



ausgeprägte
Periimplantitis bei einem ungepflegten Gebisszustand

Komplikationen - bis hin zum Verlust des Implantates - treten auf ( Erfolg), sind aber in den letzten Jahren auf Grund verbesserter Operationstechniken, optimierter Materialeigenschaften, eines speziellen Gestaltens der Suprakonstruktionen und einer konsequenten Nachsorge erheblich geringer geworden. Sie zeigen ein ähnliches Bild wie das von einer Zahnfleischerkrankung befallenen Zahnes und können schon bald nach dem Eingriff oder auch erst nach Jahren eintreten ( Periimplantitis). Sie äußern sich z.B. durch Lockerwerden des Implantates oder einer Zahnfleischtaschenbildung mit Entzündung um den Implantathals herum, Freiliegen des Implantatkörpers, unter Umständen verbunden mit erheblichen Schmerzen; in den Zahnfleischtaschen um das Implantat findet man einen hohen Anteil von sog. Markerkeimen. Die Ursachen der Periimplantitis (s. Abb.) sind in der Regel eine Überbelastung des Implantats, ein fachlich nicht korrektes Einbringen des Implantats und eine schlechte Knochenqualität; begünstigend kommen eine schlechte Nachsorge und ein Nikotinabusus hinzu. Die früher gefürchteten Implantatbrüche und Frakturen der Beschichtung auf Grund schlechter Materialeigenschaften oder schlecht geplanter Suprakonstruktionen sind heute nur noch von untergeordneter Bedeutung.

  • Komplikationen während der Operation durch Verletzen des Unterkiefernervs (Taubheitsgefühle in der halbseitigen Unterlippe) oder Eröffnen der Kieferhöhle (Kieferhöhlenentzündung); selten durch Bruch eines Implantatbohrers

  • Wundheilungsstörungen - wie sie nach jedem kieferchirurgischen Eingriff auftreten können - verbunden mit einem Nichtzustandekommen des dichten Anwachsens von Kieferknochen (Osseointegration) an den Implantatkörper. Diese fehlende Einheilung kann auch durch  ungenügende Kühlung beim Fräsen des Implantatschachtes in den Kieferknochen, Einbringen der künstlichen Zahnwurzel in vorher schon entzündeten Kieferknochen oder eine frühzeitige bzw. zu hohe Belastung der künstlichen Wurzel bedingt sein.

  • Von den beiden vorgenannten Punkten abzugrenzen ist der spätere (ab 1 bis 2 Jahren) Verlust. Als Ursachen kommen hierfür meist eine unzureichende Mundhygiene, (siehe unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege) falsch gewählte Implantattypen und Suprakonstruktionen, fehlende Nachsorge in einer Zahnarztpraxis, genetische Faktoren oder eine falsche Indikation bzw. Planung in Frage.
    Nach Untersuchungen der Charité in Berlin steigt das Risiko, innerhalb von 10 Jahren Implantate zu verlieren, bei Rauchern um den Faktor 10.

frage.gif (528 Byte)Gibt es Empfehlungen darüber, wie viele Implantate eingesetzt werden sollten?
 

Die implantologischen Verbände (BDO, DGMKG, DGI und DGZI; s.u.) haben 2008 ein sog. "Konsensuspapier" verabschiedet und folgende Indikationsklassen zur Implantattherapie erlassen:

  • "Die optimale Therapie des Zahnverlustes ist der Ersatz jedes einzelnen Zahnes durch ein Implantat. Dabei ist der Zahn 8 (Weisheitszahn) eines Quadranten in der Regel nicht zu ersetzen. Da die optimale Therapie aus verschiedensten Gründen (anatomische, aber auch wirtschaftliche) nicht immer durchgeführt werden kann, wurden die nachfolgenden Empfehlungen - Indikationsklassen - für Regelfallversorgungen aufgestellt:
     

  • Klasse I Einzelzahnersatz und Schaltlücke:
    Klasse Ia Frontzahnersatz
    Wenn Zähne der Oberkiefer-Front fehlen  1 Implantat je fehlendem Zahn
    Wenn Zähne 32-42 der Unterkiefer-Front fehlen  Indikation für 2 Implantate
    Wenn Zähne 33-43 der Unterkiefer-Front fehlen  Indikation für 2-4 Implantate unter Berücksichtigung der speziellen anatomischen Verhältnisse
    Einzelzahnlücken der Unterkiefer-Front  Indikation für 1 Implantat
     

  • Klasse II Reduzierter Restzahnbestand und Freiendlücke:
    Grundsatz:
    Bei der implantologischen Versorgung des reduzierten Restgebisses ist die Bezahnung des Gegenkiefers zu berücksichtigen. Darüber hinaus gelten die Regeln konventioneller Prothetik.
    Für eine festsitzende Versorgung im Oberkiefer werden in der Regel 8 Pfeiler benötigt, im Unterkiefer in der Regel 6 Pfeiler. Natürliche Zähne können angerechnet werden, wenn diese an statisch günstiger Position stehen und eine gute Prognose aufweisen.
    Für eine herausnehmbare Versorgung im Oberkiefer werden in der Regel 6 Pfeiler benötigt, im Unterkiefer in der Regel 4 Pfeiler. Natürliche Pfeilerzähne können angerechnet werden, wenn diese an statisch günstiger Position stehen und eine gute Prognose aufweisen
     

  • Klasse IIa Freiendlücke
    Zahn 8 (Weisheitszahn) fehlt: in Ausnahmefällen Indikation zur Implantation
    Zähne 7 und 8 fehlen:  Indikation für 1 Implantat
    Zähne 6 bis 8 fehlen:  Indikation für 1-2 Implantate
    Zähne 5 bis 8 fehlen:  Indikation für 2-3 Implantate
    Zähne 4 bis 8 fehlen:  Indikation für 3 Implantate
     

  • Klasse III Zahnloser Kiefer :
    Für die Verankerung eines festsitzenden Zahnersatzes
    im zahnlosen Oberkiefer:   8 Implantate
    im zahnlosen Unterkiefer:  6 Implantate"
     

  • Häufig müssen aus finanziellen Gründen ( Implantatkosten) Kompromisse eingegangen werden. Allerdings ist sorgfältig abzuwägen, ob dadurch der Implantaterfolg nicht nachhaltig gefährdet wird und deshalb besser auf konventionelle Methoden zurückgegriffen werden sollte.

frage.gif (528 Byte)Wo kann ich mich im Internet über Implantate zusätzlich informieren?

Es existieren eine Vielzahl von Web-Adressen zu diesem Thema, nachfolgend zwei vom Autor geprüfte Adresse:

  • rein wissenschaftliche Fachgesellschaften
    Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereiche e.V. - , Gründungsjahr 1994 ; ~ 5.700 Mitglieder (damit größte wissenschaftliche Fachgesellschaft in Europa)
    Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie e.V. - DGZI , Gründungsjahr 1970 ; ~ 3.500 Mitglieder
    Deutsches Zentrum für Orale Implantologie e.V. - DZOI, Gründungsjahr 1990 ; ~ 350 Mitglieder
  • berufspolitisch bzw. wissenschaftliche Fachgesellschaften
    Bundesverband der implantologisch tätigen Zahnärzte in Europa e.V. im Sinne einer berufspolitischen Gesellschaft - BDIZ mit EDI, Gründungsjahr 1989 ; ~ 3.000 Mitglieder
    Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie e.V.; berufspolitische und wissenschaftliche Fachgesellschaft; - DGMKG, Gründungsjahr 1951 ; ~ 1.420 Mitglieder
    Berufsverband Deutscher Oralchirurgen; berufspolitisch tätig - BDO, Gründungsjahr 1983 ; ~ 900 Mitglieder
  • Zusammenschlüsse mit besonderen Merkmalen
    European Centers for Dental Implantology (ECDI) ; 2009 gegründete Gruppe von implantologisch tätigen Praxen und Kliniken, welche sich besondere Qualitätsanforderungen gesetzt haben
  • weltweite wissenschaftliche Fachgesellschaften
    AO Academy of Osseointegration, über 6000 Mitglieder, in über 70 Ländern der Welt vertreten
    AAID, American Academy of Implant Dentistry, 1951 gegründet, mehr als 3.500 Zahnärzte als implantologische Mitglieder
    International Congress of Oral Implantologists - ICOI; Gründungsjahr 1972 ; in über 80 Ländern vertreten
    .
 

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Pflege und
Reinigung
von Implantaten


Für Implantate gibt es einen Hygieneratgeber im Internet. Unter dem Titel "Implantate - lange haltbar, lange schön" wird ausführlich und bebildert erklärt, worauf man besonders rund um die künstlichen Zahnwurzeln achten muss.

Ebenfalls kostenlos ist der Ratgeber der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie. Die Broschüre gibt Auskunft über Vorbehandlung, Pflege und Erhalt von Implantaten. Außerdem nennt sie Vorteile und nötige Voraussetzungen für eine Implantatbehandlung. Zudem gibt sie Tipps zur richtigen Mundhygiene nach einer Implantation.
 

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Zahnhandbuch, kein Ersatz für einen Arztbesuch ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Danksagung!

An dieser Stelle möchten wir allen Autoren danken; insbesondere für die unermüdliche Rechere; die diese Zusammenfassung, aus Zahnmedizin und Zahntechnik erst ermöglicht hat.

 

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