Zahn Arzt Medzin Wissen/Artikel-Index -
Kieferorthopädie - KFO
es wird der Versuch unternommen, typische und
häufige Behandlungsformen in einer zahnärztlichen Praxis allgemeinverständlich
zu erläutern und Fragen dazu zu beantworten. Bilder die beim Überfahren mit
der Maus -aus dem "Pfeil" eine "Hand" entstehen lässt-; können per Doppelklick
vergrößert werden.
Suchen Sie bei unklaren und heftigen
Beschwerden unbedingt einen Arzt auf! Es wird ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass diese Webseite, kein Ersatz für einen Arztbesuch ist.
Auf die Ausführungen im
Disclaimer
wird zusätzlich hingewiesen.
Neben den ausschließlich
angeborenen Kieferfehlentwicklungen sind es vor allen Dingen ein
frühzeitiger Zahnverlust der Milchzähne durch
Karies
und ein nicht rechtzeitig abgestelltes
Nuckeln, welche in der
Folge bei entsprechender genetischer Konstitution zu
behandlungsbedürftigen Kiefer- und Zahnfehlstellungen führen. Es
gehört zu den Aufgaben der
Fachzahnärzte
für Kieferorthopädie und der kieferorthopädisch tätigen Zahnärzte,
Fehlstellungen der Zähne und der Kiefer mit dem Ziel zu behandeln,
im Einzelfall ein möglichst optimales Ergebnis hinsichtlich der
Beiß- und Kaufähigkeit, wie auch des Aussehens zu erreichen.
In Deutschland wird etwa bei
der Hälfte aller Kinder eine Korrektur von Kiefer- und
Zahnfehlstellungen für erforderlich gehalten. Diese erfolgt etwa zu
einem Drittel mit
herausnehmbaren
und zu zwei Dritteln mit
festsitzenden
Apparaturen.
Viele der kieferorthopädischen Behandlungen ließen sich vermeiden
bzw. verkürzen, wenn Fehlentwicklungen schon im frühen Kindesalter
erkannt und - falls machbar - verhindert oder positiv beeinflusst
werden.
So vielseitig die Erkrankungen auf
diesem Gebiet sind, so verschieden sind auch die jeweiligen
Behandlungsmethoden. |
Diese Seite soll einen Einblick in das große Feld der
Kieferorthopädie geben und befasst sich vornehmlich mit der
Verhütung dieser Erkrankungen, welche bei einer nötigen Behandlung
sowohl kosten- wie auch zeitintensiv sind. Häufig sind es im
Kleinkindalter scheinbare Belanglosigkeiten, welche sich später auf
die
Mundgesundheit
der Heranwachsenden gravierend auswirken.
Am Ende dieser Seite
wird auf die nicht unerheblichen Kosten dieser mehrjährigen
Behandlung eingegangen und Vor- bzw. Nachteile der versch. Methoden
erklärt.
Bei den Kiefer- und Zahnfehlstellungen zeigt sich deutlich, dass
eine
Prophylaxe im jungen Alter der erfolgreichste und
preiswerteste Weg für eine lebenslange
Mundgesundheit ist:
Abgewöhnung der Lutschgewohnheiten und Verhütung einer
Milchzahnkaries durch rechtzeitige
Mundpflege (siehe
unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege)
sowie
gesunder, zuckerarmer Ernährung verbunden mit einer
unterstützenden
Fluoridierung sind relativ einfach durchzuführen und
können dem Heranwachsenden später erhebliche Unbequemlichkeiten
ersparen oder mildern, die mit einer kieferorthopädischen Behandlung
verbunden sind und den Erziehungsberechtigten teilweise schmerzliche
Eingriffe in ihre Geldbeutel.
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Warum
muss eine
Behandlung erfolgen |

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- bedingt durch einen
Engstand der Zähne
entstehen Schmutznischen (Abb. rot), die sowohl der
Selbstreinigung durch den Speichel und beim Kauen, wie auch der
täglichen
Mundhygiene
(siehe
unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege) nicht zugänglich sind und so
Karies und
Zahnfleischerkrankungen im Gebiss begünstigen.
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- vor allen Dingen
Kieferfehlstellungen lassen die Zähne nicht richtig
"aufeinanderbeißen". Dies führt zu Problemen beim Abbeißen und beim
Zerkauen der Nahrung.
Wie auf der Abbildung
ersichtlich, ist bei dieser Stellung des Unterkiefers zum Oberkiefer
kein Abbeißen möglich, da die unteren
Schneidezähne vor die unteren beißen
und sich der Unterkiefer nicht weiter zurückverlagern lässt.
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-
Bei gewissen Stellungen der Kiefer und
Zähne zueinander - z.B. beim
Deckbiss
oder Tiefen Biss - beißen die Zähne in das Zahnfleisch oder die
Lippe des Gegenkiefers, was zu ständigen Entzündungen an den
Weichteilen führt. Weiter sind derartige Zahnstellungen kosmetisch
unbefriedigend
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- Eine ungleichmäßige Belastung einzelner
Zähne oder Zahngruppen kann
Zahnbetterkrankungen
und Kippungen von Zähnen auslösen.
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- Zahnfehlstellungen und eine
falsche Lage der Kiefer zueinander können zu erheblichen
Sprachstörungen führen.
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- Fehlstellungen wirken sich
häufig auch kosmetisch störend aus. Das sog. "Vogelgesicht" sei nur
ein Beispiel dafür.
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- Bei
Zahnlücken, in
welche die angrenzenden Zähne gekippt sind oder stark nach vorn
stehenden Schneidezähnen, kann es unter Umständen auch bei einem Erwachsenen
sinnvoll sein, die ungünstig stehenden Zähne wieder zu richten, um
so z.B. bessere Voraussetzungen für eine
prothetische
(siehe unter Ordner -
Z-Ersatz-Brücke) Behandlung zu erreichen.
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Wie entstehen
Fehlstellungen |
Nicht richtig stehende Zähne und
falsch zusammenpassende Kiefer - der Arzt bezeichnet dies als
Anomalien (= von der Norm abweichend) - können
angeboren sein oder aber
erst im Laufe des jungen Lebens erworben werden.
Neben
genetisch bedingten Fehlstellungen
des Kiefers sind etwa 40 Prozent der kieferorthopädischen
Behandlungen auf
Lutschen
oder schlechte Pflege der Milchzähne zurückzuführen.
Meist handelt es sich bei den Anomalien um eine Kombination von
erworbenen Fehlstellungen und einer genetischen Bereitschaft zur
Veränderung. So konnte z.B. beobachtet werden, dass
Kinder mit einem
angeborenen Schmalkiefer wesentlich anfälliger auf schlechte
Gewohnheiten (=
Habits
)
reagieren als Kinder mit einem normalen Kiefer.
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angeborene Fehlstellungen |
zu den typischen Vertretern zählen
die Progenie - ein zu großer,
ausgeprägter
Unterkiefer, bei
welchem die unteren
Schneidezähne
vor die oberen beißen, das sog. "Habsburger-Kinn" oder
"Habsburger-Lippe" - (Abb. innen-oben), der
Deckbiss, bei welchem die
oberen Schneidezähne die unteren überdecken (Abb. innen-unten)
und der Distalbiss (= Rückbiss des Unterkiefers) mit
lückig vorstehenden oberen Schneidezähnen (Abb. außen-oben).
Hinzu kommt noch die Gruppe
der angeborenen Missbildungen, wie z.B. die
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (Abb. außen-Mitte) oder eine
Nichtanlage der Zähne (Abb. außen-unten).
Eine frühzeitige
Vorstellung bei einem Zahnarzt ist bei derartigen Erkrankungen sehr
wichtig: häufig lassen sich so durch einen rechtzeitigen kleineren
Eingriff - auch schon im Kindergartenalter - entscheidende Weichen
stellen und helfen, spätere langwierige Behandlungen zu mildern.
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Progenie

Oben: normaler
Überbiss
Unten: Tiefbiss |

ausgeprägter Rückbiss

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Nichtanlage der seitlichen Schneidezähne |
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erworbene Fehlstellungen
Es gibt viele Faktoren, die zu
Anomalien führen können; am gravierendsten sind jedoch ein
frühzeitiger Verlust der Milchzähne und sog.
Habits (= schlechte Gewohnheiten), wie
das Lutschen am Finger, das Einsaugen und Beißen auf die Unterlippe
oder ein Zungenpressen, welche zu erheblichen Fehlstellungen und
aufwendigen späteren Behandlungen führen können.
Fehlstellungen durch Lutschen
- bei über 50% der
Kindergartenkinder werden nach mehreren Untersuchungen
Lutschgewohnheiten festgestellt, die Fehlzustände hervorrufen oder
ererbte Fehlstellungen verschlimmern können. Dabei überwiegt im
frühen Kindesalter das Lutschen am Daumen, während dieser bei den
Sechsjährigen zugunsten von Beruhigungssaugern und einem
Fingerlutschen an Bedeutung verliert.
Wenn auch das Lutschen bis zu einem Zeitpunkt von 2- 3 Jahren als
ungefährlich betrachtet wird ("wächst sich aus"), so kann diese
Unart - über Jahre konstant ausgeübt - zu schweren Verbiegungen der
Kiefer bzw. Zahnstellungen und einer erheblichen
Rückwärtsverlagerung des Unterkiefers (= Rückbiss) führen.
Bekanntestes Erscheinungsbild ist der lutschoffene Biss (Abb.
Mitte): ein Abbeißen von Nahrung ist unmöglich, viele Laute können
mit der Zunge nicht richtig gebildet werden, es stellen sich teils
erhebliche Sprachstörungen (z.B. Lispeln) ein.
Siehe auch unter:
"Wie lange darf gelutscht werden?"
- Eine Beeinflussung dieser Unarten
ist häufig schwierig; am wenigsten erfolgversprechend durch
Einpinselungen der betreffenden Finger mit teuren Präparaten aus der
Apotheke!
Das Kind braucht eine besondere Zuwendung durch ihm nahestehende
Personen bzw. des Zahnarztes/Zahnärztin und muss liebevoll daran
gewöhnt werden, Verbote zu beachten. Bewährt haben sich u.a.
Methoden, welche ein Versprechen zur Abgewöhnung dokumentieren: in
einem Lutschkalender werden die Tage angekreuzt, an welchen nicht
genuckelt wurde; entsprechende Belohnungen unterstützen die
Bemühungen. Ist der Übeltäter nicht ein Finger sondern ein "Schnulli",
so wird dieser z.B. im Garten vergraben mit der Begründung, dass das
Babyalter nun vorbei sei.
Unterstützend kann zahnärztlicherseits eine Mundvorhofplatte rasche
Hilfe bringen: dieses Behandlungsgerät ähnelt einem Schnuller, durch
eine spezielle Formung hindert es die Zunge daran, zwischen die
Schneidezähne zu rutschen; von den noch nuckelnden Kindern wird es
häufig als "angenehme Abgewöhnung" empfunden.
|

Lutschfolgen an Fingern und Zähnen ("Lutschprotrusion")

lutschoffener Biss

Mundvorhofplatte |
Zu früher Milchzahnverlust
- gehen die Milchzähne - in der
Regel durch Karies - zu früh verloren, ergeben sich zwei große
Probleme:
dadurch dass die Milchbackenzähne verloren gehen, fehlt eine
Abstützung der Kiefer zueinander (=
Verlust der Stützzone). Der Unterkiefer
nähert sich zu stark dem Oberkiefer und rutscht nach hinten, die
unteren Schneidezähne beißen in den Gaumen und drücken die oberen
Schneidezähne nach außen, welche wiederum auf die Unterlippe beißen.
Es entsteht im Profil ein "fliehendes Gesicht", das sog.
Rückgesicht.
- fehlen einzelne Milchbackenzähne oder sind diese durch
Karies erheblich zerstört, so brechen die
ersten bleibenden Zähne - nach dem Prinzip des geringsten
Widerstandes - in den freien Raum durch und versperren so den erst
später durchbrechenden Zähnen den Weg. Diese suchen sich einen neuen
Platz - meist außen oder innen von der regulären Zahnreihe - oder
bleiben aus Platzmangel im Kiefer liegen. Es kommt zu sog.
Engständen dadurch, dass die Platzhalterfunktion der Milchzähne
verloren gegangen ist.
- Siehe auch unter
Erhaltung von Milchzähnen im Lexikonteil
|
|
Behandlung der Fehlstellungen
Die kieferorthopädische Behandlung
berücksichtigt stark die Wachstumsvorgänge des Gesichtsschädels und
macht sich diese zu Nutze - ja es gibt Therapieformen, welche
vorwiegend diese Körperkräfte zur alleinigen Umformung ausnutzen. So
vielseitig die einzelnen Erkrankungen und deren Ursachen sind, so
unterschiedlich sind auch die einzelnen Therapien. Grundsätzlich
lassen sich
festsitzende
Apparaturen von
herausnehmbaren unterscheiden. Während einer Gesamtbehandlung,
die etwa 3-4 Jahre dauert, werden mitunter auch beide Arten
angewandt. Jede der beiden Methoden hat ihre
Vor- und Nachteile, welche es
mit dem Wissen und der Erfahrung des Behandlers gilt gegeneinander
abzuwägen, um so eine dem jeweiligen Behandlungsfall angepasste
Therapieform durchzuführen.
Der Behandlungsbeginn liegt in der Regel zwischen dem 9. und 10.
Lebensjahr; bei bedeutenden angeborenen Anomalien häufig in einer 1.
Stufe schon im Kleinkindalter.
Völlig unabhängig davon sind auch Behandlungen im
Erwachsenenalter in den meisten Fällen
möglich. Hierbei stehen meist ästhetische Gesichtspunkte im
Vordergrund.
Wie
lange dauert eine Behandlung und wann sollte damit
begonnen werden? |
- Grob gesagt kann man bei den
meisten Fällen von gut drei Jahren Behandlungsdauer ausgehen; evtl.
schließt sich daran bei rückfallgefährdeten Patienten eine
"Stabilisierungsbehandlung" (mit einem
Retainer) an. Diese Geräte können
festsitzend oder herausnehmbar sein und sind kosmetisch wie
funktionell kaum störend.
- wie oben beschrieben, ist der günstigste Zeitpunkt bei normalen
Fällen um das 10. Lebensjahr. Ein zu früher Behandlungsbeginn -
häufig wegen "schiefer Zähne" von den Eltern gewünscht - birgt die
große Gefahr eines Rückfalls (Rezidiv), ein zu später
Behandlungsbeginn ist langwieriger durchzuführen und stößt wegen
kosmetischer Beeinträchtigungen auf die Eitelkeit der
Heranwachsenden.
- Eine Behandlung im Milchzahngebiss ("Frühbehandlung") ist selten
und wird z.B. bei ausgeprägtem Fehlstellungen mit vorstehendem Kinn
oder bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten durchgeführt. Davon unberührt
bleibt das Abgewöhnen von "schlechten Angewohnheiten" und ggf. ein
Einschleifen einzelner Zähne im Sinne einer Frühbehandlung.
|
Übernimmt
meine Krankenkasse die Kosten für eine Regulierung? |
- Bei den Privaten Krankenkassen
hängt dies von der persönlichen Tarifgestaltung ab; hier kann es
große Unterschiede geben! Prinzipiell bestehen aber keine
Einschränkungen - auch nicht bei Erwachsenen. Auf jeden Fall sollte
vorher eine Kostenabklärung erfolgen!
- Komplizierter verhält es sich bei
den Gesetzlichen Krankenkassen:
Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres werden primär 80% (wenn
mehrere Kinder in Behandlung sind: 90%) übernommen und nach einem
erfolgreichen Abschluss auch der Restbetrag (= Selbstbehalt während
der Behandlung) dem Versicherten erstattet.
Keine Kostenübernahme ("Privatleistung"), wenn
eine leichte Zahnfehlstellung vorliegt, die aus ästhetischen Gründen
zwar behandelt werden kann, deren Behandlung allerdings nur als
Privatleistung angeboten wird,
oder
eine Zahnfehlstellung vorliegt, die aus medizinischen Gründen eine
Korrektur erforderlich macht, deren Behandlungskosten jedoch wegen
des geringeren Ausprägungsgrades der Zahn- und/oder
Kieferfehlstellung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse
übernommen werden
Kostenübernahme, wenn
eine ausgeprägte Zahn- und/oder Kieferfehlstellung vorliegt, die aus
medizinischen Gründen eine Behandlung erforderlich macht,
oder
eine stark ausgeprägte Zahn- und/oder Kieferfehlstellung vorliegt,
die aus medizinischen Gründen dringend eine Behandlung erforderlich
macht,
oder
eine extrem stark ausgeprägte Zahn- und/oder Kieferfehlstellung
vorliegt, die aus medizinischen Gründen unbedingt eine Behandlung
erforderlich macht
>
Erwachsene (ab dem 19. Lebensjahr) gehen grundsätzlich leer aus, es
sei denn, es handelt sich um so schwere Kieferfehlbildungen, dass
diese nur kombiniert kieferchirurgisch / kieferorthopädisch
behandelt werden können. Diese Fälle sind sehr selten und erfolgen
meist im Anschluss an einen Klinikaufenthalt.
Abgrenzungen sind häufig schwierig. In Grenzfällen ist daher mit
einer vorherigen
Begutachtung zu rechnen
|
herausnehmbare
oder festsitzende Behandlungsapparaturen? |
- eine Behandlung kann grundsätzlich
mit herausnehmbaren oder festsitzenden Systemen durchgeführt werden;
ebenso sind Kombinationen beider Methoden möglich. Bei der
Verschiedenartigkeit der Kieferanomalien gibt es keine generelle
Empfehlung für die oder die Methode. Die Entscheidung bleibt in
jedem Einzelfall dem erfahrenen Behandler nach gründlicher
Untersuchung und aufwendiger Auswertung der Ergebnisse vorbehalten.
Die Vor- und Nachteile - die es sorgfältig gegeneinander abzuwägen
gilt - sind nachfolgend aufgeführt:
|
| |
Herausnehmbare Geräte (Zahnspangen,
aktive Platten) |
|
Festsitzende Apparaturen |
| + |
nach
Herausnahme ist eine gute Mundhygiene an allen Zähnen möglich; die
Gefahr einer behandlungsbedingten Karies ist gering |
+ |
Da
eine Einwirkung von 24 Stunden am Tag erfolgt, sind in kürzerer Zeit
gewünschte Veränderungen möglich; dies ist besonders bei Erwachsenen von
Vorteil, da deren Kieferknochen widerstandsfähiger als bei Kindern ist |
| + |
Zu
bestimmten Anlässen kann das Gerät herausgenommen werden, um so z.B.
beim Sport keine Verletzungen oder beim Sprechen keine Einschränkung zu
bedeuten |
+ |
nur
geringe Sprachbehinderung beim Tragen |
| + |
Da
die Geräte nicht so intensiv an den Zähnen angreifen, sind
behandlungsbedingte Zahnlockerungen selten |
+ |
Ein
Vergessen oder Verlieren ist unmöglich |
| + |
Vorwiegend
bei Kindern in Gebrauch |
+ |
Wegen
der kürzeren Behandlungszeit und der größeren Effektivität bei komplexen
Zahnverschiebungen. Mittel der Wahl bei der Erwachsenenbehandlung |
- |
Eine
aktive Mitarbeit ist nötig; Vergessen des Klammertragens oder
unregelmäßige Anwendung kann den Behandlungserfolg stark gefährden |
- |
Schwierig
durchzuführende Mundhygiene; bei ungenügender Hygiene stehen die Zähne
nach Abschluss der Behandlung zwar gerade aber sind unter Umständen stark von
Karies befallen |
| - |
Verlust
oder Beschädigung sind bei nicht sorgsamen Umgang möglich |
- |
Harte
Nahrung (Äpfel, Vollkornbrot usw.) kann die Apparatur beschädigen; eine
Reparatur der Geräte kann meist nur im Mund und durch den Behandler
erfolgen |
| - |
Längere
dauernde Behandlung als mit festsitzenden Geräten |
- |
kosmetisch
störend; das Gerät kann nicht zu besonderen Anlässen "mal schnell"
herausgenommen werden |
Zahnpflege beim Tragen
von Regulierungen
 |
Unabdingbar für den
Erfolg einer kieferorthopädischen Behandlung ist eine besonders
sorgfältige
Zahnpflege (siehe unter
Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege)
während der Behandlung - wird diese Empfehlung missachtet, passiert es
nicht selten, dass sich an die Regulierungsbehandlung noch gleich eine
aufwendige weitere Therapie mit Wurzelkanalbehandlungen und Kronen
anschließt! Besonders intensiv muss die Mundhygiene bei festsitzenden
Apparaturen stattfinden, denn diese bieten viele Schlupfwinkel für die
berüchtigten Kariesbakterien:
- Die Bänder,
Brackets
und Zahnbögen bei festsitzenden Apparaturen lassen die
Plaque besonders gut wachsen, da durch
diese die Selbstreinigung der Zähne beim Kauakt stark eingeschränkt
und die normale Zahnbürste zu groß für eine vollständige Reinigung
ist. Bei mangelnder
Mundhygiene (siehe
unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege) bilden sich innerhalb weniger Tage oberflächliche
Entkalkungen - besonders an den Übergangsstellen der aufgeklebten
Brackets zum Zahnfleisch hin.
- Wenn auch herausnehmbare Apparaturen den Vorteil haben, zum
Reinigen herausgenommen werden zu können und so auf den ersten Blick
aus zahnhygienischer nicht bedenklich sind, so ist aber die
natürliche Zahnreinigung durch den Speichel während der Tragephase
stark eingeschränkt.
- Ein gründliches Zähneputzen nach jeder Mahlzeit verbunden mit
der richtigen
Zahnputztechnik (siehe unter Ordner -
Mundhygiene/Zahnpflege) und entsprechenden Hilfsmitteln ist daher
unbedingt erforderlich! Elektrische
Zahnbürsten (siehe unter Ordner -
Mundhygiene/Zahnpflege) haben meist einen kleineren Borstenkopf, womit
unzugängliche Stellen besser erreicht werden können.
Gerade bei festsitzenden Apparaturen können normale Zahnbürsten nur
wenig ausrichten. Zur Anwendung kommen Bürsten mit kleinem Kopf für
die "Grobreinigung" und spezielle Bürstchen
("Zahnzwischenraumbürstchen", siehe Abb. u. li.) für die Gebiete
unter den Apparaturen. Ein leichtes Bluten dabei ist ungefährlich,
da das Zahnfleisch generell während einer kieferorthopädischen
Behandlung empfindlicher reagiert.
-
Als zusätzliches Hilfsmittel haben sich für den
Hausgebrauch Mundduschen (siehe
unter Ordner - Mundhygiene/Zahnpflege) bewährt (siehe
Abb. u. rechts), und eine etwa ¼ jährliche
spezielle Reinigung in einer Zahnarztpraxis
mit Pulverstrahlgeräten bringen einen zusätzlichen Schutz ebenso,
wie regelmäßige
Fluoridbehandlungen
mit spez. Gelees oder
Spüllösungen.
|
müssen
die
Weisheitszähne
bei jeder
kieferorthopädischen
Behandlung
entfernt werden? |
- In der zahnärztlichen Wissenschaft
wird dieses Problem sehr unterschiedlich diskutiert. Es gibt
Untersuchungen, die zu belegen scheinen, dass es durch den
erheblichen Wachstumsdruck der durchbrechenden
Weisheitszähne wieder zu negativen
Veränderungen bei der Stellung der regulär im Zahnbogen stehenden
übrigen Zähne kommt. Andere Lehrmeinungen halten diesen Effekt für
nicht so bedeutsam. Auf jeden Fall sollten die Weisheitszähne mit in
das kieferorthopädische Gesamtkonzept einbezogen werden, um ggf.
prophylaktisch bei einem zu kleinen Kiefer bzw. bei späteren
Veränderungen in der Zahnstellung reagieren zu können.
|
Behandlung erwachsener
Patienten

 |
- Grundsätzlich können
kieferorthopädische Behandlungen auch noch im frühen
Erwachsenenalter durchgeführt werden. Da der Kieferknochen sich mit
zunehmenden Alter verfestigt und für Umformungsprozesse
widerstandsfähiger wird, ist mit einer längeren Behandlungsdauer zu
rechnen, bzw. werden nicht mehr so intensive Veränderungen wie bei
Jugendlichen geplant.
- Die Behandlung selbst erfolgt fast
ausschließlich mit festsitzenden Behandlungsgeräten. Hierbei ist der
durch die Apparatur bedingte negative kosmetische Faktor nicht zu
unterschätzen!
- Eine
Kostenübernahme durch die Gesetzlichen Krankenkassen ist nicht
gegeben, es sei denn, es handelt sich um so schwere
Kieferfehlbildungen, dass diese nur kombiniert kieferchirurgisch /
kieferorthopädisch behandelt werden können. Diese Fälle sind sehr
selten und erfolgen meist im Anschluss an einen Klinikaufenthalt.
Private Versicherungen zahlen je nach abgeschlossenem Tarif.
- Seit einigen Jahren befindet sich
eine Behandlung mit durchsichtigen Schienen (s. Abb.) auf dem Markt,
welche sich besonders aus kosmetischen Gründen bei Erwachsenen
eignen.
Mehr dazu im Lexikonteil unter "Invisalign"
.
- Der Bund Deutscher Kieferorthopäden (BDK) veröffentlichte in
2010 folgende Pressemeldung:
"Die erwachsenen Patienten in kieferorthopädischen Praxen werden
älter: Waren sie noch vor wenigen Jahren durchschnittlich 18 bis 25
Jahre alt, hat sich die Altersklasse heute auf 35 bis 50 Jahre
verschoben. Gründe dafür gebe es mehrere, sagt Dr. Gundi Mindermann,
Vorsitzende des Berufsverbandes der deutschen Kieferorthopäden (BDK):
Moderne Verfahren und Entwicklungen hätten zum einen die
Möglichkeiten erheblich erweitert. Zum anderen wüssten die meisten
Zahnärzte heute auch, dass die Kieferorthopädie ein sehr hilfreicher
Partner bei der Zahnersatzversorgung sein kann. Zahnfehlstellungen
könnten in jedem Alter aufgrund von Fehlbelastungen zu
Knochenveränderungen führen, ebenfalls in jedem Alter aber auch
korrigiert oder gemildert werden, da das natürliche Zellwachstum
lebenslang beeinflussbar bliebe. Mindermann: "Die Nachfrage seitens
der Erwachsenen nimmt deutlich zu, und in der Tat gibt es in unserem
spezialisierten Bereich viele Angebote für die Verbesserung von
Vorsorge und Therapie." Wichtig sei auch die wachsende Anzahl
erhaltener natürlicher Zähne bei der älteren Bevölkerung und die
Konsequenzen für den Zahnstand. Mindermann : "Im Zusammenspiel mit
den biologischen, altersbedingten Umbauprozessen im Kieferknochen
kann sich die Position der eigenen Zähne ungünstig verschieben, dann
ist die Hygienefähigkeit, oft auch die Kaufunktion belastet."
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Aktualisierung der Artikel 2012